Zum Inhalt springen
Benny Windolph, der SEO-Experte von HECHT INS GEFECHT
Benny Windolph ist Co-Founder der SEO-Agentur HECHT INS GEFECHT in Bremen. Benny Windolph entwickelt SEO- und GEO-Strategien für E-Commerce-Unternehmen mit Fokus auf Technisches SEO, Semantisches SEO und LLM-Sichtbarkeit.

Ein Kunde von HECHT INS GEFECHT war vorher gut ein Jahr bei einer anderen SEO-Agentur. Deren Plan: SEO-Texte für Kategorien und Startseite, Backlinks über Partner einkaufen. Für den Blog lieferte sie nur Keyword-Ideen. Nach zwölf Monaten war der Blick in die Search Console ernüchternd.

Die Shop-Seiten, also Kategorien und Produkte, lagen von Februar bis November 2025 bei rund 1.000 bis 1.350 Klicks im Monat, im Dezember bei gut 700. Mit genau diesen Seiten verdient der Shop sein Geld. Der Blog brachte im selben Jahr zwei- bis fünfmal so viele Klicks, im Januar 2026 über 5.000. Die Artikel dafür hatte der Geschäftsführer selbst geschrieben.

Monatliche Google-Klicks eines Onlineshops unter der Vor-Agentur: Der Blog liegt deutlich über den Shop-Seiten, die flach bleiben Ein Jahr bei der Vor-Agentur Monatliche Google-Klicks eines Onlineshops, Februar 2025 bis Januar 2026 01k2k3k4k5k6k FebAprJunAugOktDezJan Blog Shop-Seiten Der Blog bringt die Klicks. Kategorien und Produkte bleiben flach.Abb. 1 · HECHT INS GEFECHT

Abb. 1: Monatliche Google-Klicks auf Blog und Shop-Seiten eines Onlineshops unter der Vor-Agentur, Februar 2025 bis Januar 2026. ↓ PNG

Nach meiner Erfahrung bringt ein solches Programm aus Texten und gekauften Links den Shop-Seiten wenig, solange die Struktur nicht steht. Onlineshop-SEO scheitert meist an der Reihenfolge der Maßnahmen.

Die meisten Shops optimieren in der falschen Reihenfolge

Die übliche Logik im Onlineshop-SEO (SEO = Suchmaschinenoptimierung) sieht nach meiner Erfahrung so aus. Erst kommt Content im Blog, dann ein paar Backlinks. Um die Kategorieseiten kümmert man sich irgendwann, vielleicht. Ich drehe das komplett um.

Im E-Commerce zählt zuerst die Struktur, dann die Datenqualität, dann die Marke. Blog und Backlinks kommen ganz am Ende, wenn überhaupt.

Die Reihenfolge ist deshalb so radikal, weil die ersten drei Hebel direkt auf die Seiten wirken, die verkaufen, und die letzten beiden meistens nicht. Ein Blogpost über „5 Tipps für besseres Trinkwasser“ rankt vielleicht ordentlich, aber er verkauft kaum Wasserfilter. Eine Kategorieseite, die für das richtige Keyword auf Position 3 steht, tut genau das.

Die Pyramide: Startseite, Kategorie, Produkt, Blog

Die SEO-Hierarchie in einem Onlineshop hat vier Ebenen: Startseite, Kategorieseiten, Produktseiten, Blogposts. Diese Reihenfolge ist der Standard für die interne Verlinkung und beschreibt den typischen Linkfluss im Shop. Welche Ebene für eine Suchanfrage gewinnt, entscheidet die Suchabsicht. In einem Shop für Dach- und Wandplatten konkurrierten bei 246 Suchanfragen Kategorie und eigenes Produkt, in 95 davon (39 %) führte das Produkt.

Beim Begriff „akustikpaneele“ mit rund 201.000 Suchen im Monat laut Google-Ads-Suchvolumen führte eine Produktseite mit 128.158 Impressionen, die Kategorie kam auf 717. Linkjuice ist die Stärke, die ein Link an die verlinkte Seite weitergibt. In diesem Modell fließt der Linkjuice von oben nach unten, und jede Ebene gibt einen Teil davon weiter. Stell dir deinen Shop als Pyramide vor: ganz oben die Startseite mit dem meisten internen Linkjuice, ganz unten der Blog.

Unabhängig vom Shopsystem bleibt das Prinzip gleich. Ich habe die Hierarchie über die Jahre in WooCommerce, Shopware, Shopify und xt:commerce gesehen, in einigen Fällen in Shops, die ich selbst aufgebaut habe. Die Technik unterscheidet sich von System zu System, die Logik dahinter nicht.

Die Hierarchie ist keine theoretische Spielerei. Wenn deine Startseite am meisten Linkjuice hat und du von dort direkt auf einen Blogpost verlinkst, geht Linkjuice an die unwichtigste Seite im Shop. Die Kategorien, die eigentlich ranken müssen, bekommen entsprechend weniger davon. Die Hierarchie zu verstehen ist der erste Schritt, und viele Shops überspringen ihn meiner Erfahrung nach.

Linkjuice-Pyramide im Onlineshop: Startseite, Kategorie, Produkt, Blog mit abnehmendem Linkjuice Die Linkjuice-Pyramide im Onlineshop viel wenig Linkjuice Startseite verteilt Linkjuice, präsentiert die Marke Kategorieseiten sollen für die Kaufbegriffe ranken Produktseiten verkaufen, oft austauschbar Blogposts unterbauen, verlinken nach oben Kategorieseiten zuerst stärken, danach Produkte und Blog.Abb. 2 · HECHT INS GEFECHT

Abb. 2: Die SEO-Hierarchie im Onlineshop: Die Breite jeder Stufe zeigt ihren internen Linkjuice, nicht die Anzahl der Seiten. Deshalb steht die Pyramide hier umgedreht, mit der Startseite als breitester Stufe oben. ↓ PNG

Die Startseite hat genau zwei Aufgaben

Die Startseite ist keine Keyword-Landingpage. Für mich erfüllt sie genau zwei Funktionen.

Erstens verteilt sie Linkjuice auf die Kategorien. Das passiert über Sektionen im Content-Bereich, jeweils mit einer H2-Überschrift, einem kurzen Absatz und einem Button in die Kategorie.

Ich baue ganze Sektionen deshalb, weil Überschrift und Absatz dem Link Kontext geben. Google rät selbst, Links Kontext zu geben, weil die Wörter vor und nach einem Link zählen. Dass Google den Link mit Überschrift und Absatz höher gewichtet, ist meine Annahme.

Nach meiner Erfahrung zählt der Content-Bereich für das Gewicht der Linkziele mehr als Navigation, Sidebar und Footer. John Mueller von Google sagte in den SEO Office Hours im März 2022, Google unterscheide Links nicht danach, ob sie im Header, im Footer, in der Sidebar oder im Hauptinhalt stehen („We don’t really differentiate there.“). Ich bleibe trotzdem dabei.

Die Links weit oben im Content-Bereich sind am wichtigsten. Links mit nofollow verfolgt Google in der Regel nicht. Führt kein anderer Weg (weitere Links, Sitemap) in einen Bereich, findet Google die Seiten dort womöglich nicht.

Zweitens stellt die Startseite die Marke vor. Die Startseite beantwortet, wer du bist, was du machst und was dich von anderen Shops unterscheidet. Die Einordnung brauchst du nicht nur für den Besucher, sondern auch für Google und für die LLMs, die deine Marke als Entität verstehen müssen.

Was das in der Praxis bewirkt, hat HECHT INS GEFECHT bei einem anderen Shop-Kunden gemessen. Vorher standen oben vor allem verlinkte Banner, der Text stand als SEO-Block ganz unten. Im August 2025 kamen oben Sektionen je Kategoriegruppe aus Überschrift, kurzem Text und Links in die Kategorien.

Im Juli 2026 haben wir die Zahl der dort verlinkten Kategorien von 31 auf 73 erweitert. 46 bestehende Kategorien bekamen dabei erstmals einen Link aus dem Content-Bereich. In den sechs Wochen danach kamen sie auf 18 % mehr Klicks als in den sechs Wochen davor. Die 25 schon vorher verlinkten Kategorien blieben gleich (plus 0,4 %, ohne eine Kategorie mit neu geschriebenem Snippet).

Ganz isolieren lässt sich der Effekt nicht. Im selben Zeitraum liefen weitere Änderungen am Shop.

Startseiten-Erweiterung im Juli 2026: Neu verlinkte Kategorien plus 18 Prozent Klicks, schon verlinkte Kategorien plus 0,4 Prozent Was neue Startseiten-Links bewirken Klicks je Gruppe, sechs Wochen vor und nach der Erweiterung im Juli 2026 Neu verlinkt (46 Kategorien) +18 % Schon verlinkt (25 Kategorien) +0,4 % Neu verlinkte Kategorien legen zu, die übrigen bleiben flach.Abb. 3 · HECHT INS GEFECHT

Abb. 3: Klicks der von der Startseite neu verlinkten Kategorien gegenüber den schon verlinkten, je sechs Wochen vor und nach der Erweiterung im Juli 2026. ↓ PNG

Pro-Tipp: Bevor du eine einzige Zeile Startseiten-Text schreibst, leg fest, welche Kategorien dort als Sektionen auftauchen. Die Auswahl ist deine wichtigste interne Verlinkungs-Entscheidung im ganzen Shop.

Warum Kategorien vor Produkten kommen

Die Produkte sind mir nicht egal, im Gegenteil, sie sind das, was am Ende im Warenkorb landet. Aber hierarchisch führe ich den Linkjuice lieber über die Kategorien, weil die bei austauschbaren Produkten in der Regel besser ranken.

Viele Shops verkaufen nach meiner Beobachtung Ware, die sie selbst einkaufen oder per Dropshipping vertreiben. Solche Produkte sind vergleichbar. In einem anderen Shop könnten es sogar exakt dieselben sein, mit demselben Herstellertext.

Wenn du dann zehn ähnliche Produkte hast, die alle für dasselbe Keyword ranken wollen, blockieren sie sich gegenseitig in der Google-Suche. Das ist Keyword-Kannibalisierung, und sie entsteht in der Planung.

Eine starke Kategorie, die für das Keyword rankt, ist in der Situation die bessere Idee. Ein Dutzend austauschbarer Produktseiten macht sich nur gegenseitig die Rankings streitig. Die Kategorie bündelt die Relevanz.

Produkte trotzdem optimieren

So weit, Produktseiten zur verschenkten Mühe zu erklären, würde ich nicht gehen. Wenn die Ressourcen da sind, gehören Produktseiten optimiert, und zwar mit eigenen Texten, denn der Herstellertext steht wortgleich in vielen anderen Shops.

Es geht um Priorisierung. Bei einem Shop mit wenigen, einzigartigen Eigenmarken-Produkten würde ich sofort in die Produkttexte investieren. Bei einem Shop mit tausenden vergleichbaren Artikeln stärke ich erst die Kategorien und kümmere mich um die Produkte, wenn die Basis steht. Ehrlicherweise kommt man bei großen Sortimenten oft gar nicht dazu, jedes Produkt einzeln zu betexten, und das ist auch in Ordnung.

Was Blogposts für den Shop leisten

Der Blog steht ganz unten in der Pyramide, weil das seiner Funktion entspricht. Ein guter Blogpost rankt für ein Nischenthema, das es sonst kaum im Netz gibt. Er braucht dafür wenig Linkjuice und kaum Backlinks. Nach meiner Erfahrung rankt er, weil das Thema unterversorgt ist.

Laut Pew Research klickten Nutzer im März 2025 (USA) bei Suchseiten mit KI-Zusammenfassung nur in 8 % der Besuche auf ein klassisches Ergebnis. Ohne Zusammenfassung waren es 15 %. Fragen, die früher zum Klick auf einen Blogpost geführt haben, beantwortet Google heute direkt in den Suchergebnissen. Das heißt, Blogposts, die einzig auf Klick-Maximierung zielen und sonst inhaltlich dünn bleiben, bringen immer weniger.

Die Aufgabe des Blogs ist es, Traffic einzusammeln und ihn über interne Links nach oben weiterzugeben, also auf Kategorien und Produkte. Blogposts verlinken nach oben. Von der Startseite, von der Kategorieseite oder von der Produktseite auf einen Blogpost zu verlinken, wäre genau verkehrt.

Im schlimmsten Fall landet ein Besucher auf der Kategorie, biegt in den Blog ab und bleibt dort hängen. Am Ende schließt er den Tab, ohne je ein Produkt gesehen zu haben.

Wie wenig Blogseiten verkaufen, habe ich bei einem Onlineshop für Baubedarf nachgemessen. In 28 Tagen kamen die Kategorie-Landingpages organisch auf 613 Sitzungen und 18 Käufe. Die Blog-Landingpages kamen auf 1.998 Sitzungen und nur vier Käufe. Die Fallzahlen sind klein.

Über dem Blogtext stand ein Produkt-Slider mit Warenkorb-Buttons. In 90 Tagen erfasste GA4 keines von 1.179 add_to_cart-Events auf einer Blogseite (ob das Event-Tracking dort griff, ist nicht geprüft). Der Slider flog raus, weil der Blogpost damit für Kaufbegriffe mit der eigenen Kategorie konkurrierte.

Kategorieseiten richtig aufbauen

Wenn Kategorieseiten die wichtigsten Seiten im Shop sind, dann lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie sie aussehen sollten. Einen Fehler sehe ich in meinen Audits häufig. Die Kategorie startet direkt mit den Produkten, ohne H1 und ohne Text.

Eine Kategorieseite braucht eine H1 und einen kurzen Einführungstext, bevor die Produkte kommen. Unter den Produkten darf noch etwas mehr Text stehen. Der Text unter den Produkten soll aber kein langer Block voller Keywords sein. Zehntausend Zeichen in winziger Schrift liest kaum ein Besucher.

Was stattdessen hingehört, ist nützlicher Inhalt. Die Fragen, die Kunden im Vertrieb wirklich stellen, gehören in ein FAQ. Die relevanten Informationen zu einer Produktgruppe gehören in den Text. Viele Kategorietexte sind nach meiner Erfahrung zu dünn, weil 100 Wörter die relevanten Informationen zu einer Produktgruppe nicht transportieren können.

Pro-Tipp: Den besten Inhalt für eine Kategorieseite liefert dein Vertrieb. Frag deinen Vertrieb, welche drei Fragen vor dem Kauf am häufigsten kommen. Das ist dein FAQ.

Ein technischer Punkt geht oft unter. Bei einem Shopware-Kunden hat HECHT INS GEFECHT rund 900 Millisekunden TTFB (Time to First Byte) auf den Kategorieseiten gemessen. Die Kategorieseiten waren ohne warmen Cache in einem Test im Kundentermin um ein Mehrfaches langsamer als mit Cache. Jede Kategorieseite lud dabei die Topseller und 48 Produkte ungecacht aus der Datenbank.

Ruft der Googlebot eine Kategorieseite ohne warmen Cache ab, bekommt er die langsame Version. Wie sehr Ladezeit und Crawling zusammenhängen, habe ich im Beitrag zu den Cost of Retrieval ausführlicher beschrieben.

Damit ist die technische Seite natürlich nicht erschöpft. Faceted Navigation und Filter-URLs verbrauchen Crawl-Budget. Dazu kommen die Steuerung von Pagination, saubere Canonicals für Produktvarianten, der Umgang mit ausverkauften Artikeln und die Core Web Vitals, alles eigene Baustellen.

Das gehört in jeden Shop, der ernsthaft ranken will. Es ist Feintuning, das nach der Struktur kommt.

Wie du die häufigsten dieser Baustellen ohne Agentur und ohne Spezialwerkzeug selbst findest, zeige ich im Beitrag zu technischem SEO mit fünf Prüfungen in 30 Minuten.

Organische Suche und KI-Empfehlung folgen verschiedenen Regeln

Seit 2025 läuft parallel zur klassischen Google-Suche eine zweite Logik, die eigenen Auswahlkriterien folgt. KI-Suchen greifen auf Suchergebnisse zurück, gute Rankings erhöhen die Chance auf eine Nennung. Eine Garantie sind sie nicht.

Laut Ahrefs standen im März 2026 nur 38 % der in AI Overviews zitierten URLs unter den ersten zehn Ergebnissen. Hierarchie und Ranking bleiben aus meiner Sicht die Grundlage, deine Produktdaten entscheiden zusätzlich, wer empfohlen wird.

In der organischen Suche zählt vor allem die Struktur aus den Abschnitten oben. Bei KI-Empfehlungen kommen die Produktdaten dazu. Du musst beides bedienen.

Vergleich: Was die organische Google-Suche gewichtet gegenüber dem, was KI-Kaufempfehlungen ziehen Was bei Google zählt, was die KI zieht Organische Suche Fokus Struktur Kategorie-Hierarchie (Startseite, Kategorie, Produkt) Interne Verlinkung und Linkjuice Saubere Seitenstruktur und Cache KI-Empfehlung (ChatGPT, Perplexity) Fokus Produktdaten Produktdaten-Feed (Shopify Catalog, Direktfeed) Varianten und Attribute im Feed Viele und gute Bewertungen Ranking ist die Grundlage. Die Produktdaten entscheiden zusätzlich.Abb. 4 · HECHT INS GEFECHT

Abb. 4: Was die organische Suche gewichtet gegenüber KI-Kaufempfehlungen. ↓ PNG

ChatGPT bezieht seine Produktdaten laut OpenAI aus dem Shopify Catalog, dem Etsy-Katalog, aus Direktfeeds der Händler und von Drittanbietern. In meiner Praxis zählen vor allem vier Signale:

  • Vollständigkeit des Produktfeeds (GTIN als weltweite Artikelnummer, zum Beispiel die EAN, Preis, Attribute)
  • Klarheit von Titel und Beschreibung (was ist das Produkt, für wen)
  • Varianten sauber im Feed, eine Zeile je Variante (Verfügbarkeit, Preis, Marke)
  • Bewertungen im Feed

Perplexity bekommt seine Produktdaten über den Shopify Catalog und sein Merchant Program. Die Produktkarten baut Perplexity unter anderem aus Kundenbewertungen.

ChatGPT und Perplexity arbeiten bei Produktempfehlungen mit strukturierten Produktdaten aus Feeds und Katalogen. Was bei dir sauber im Feed steht, können sie empfehlen. Der Rest bleibt eher außen vor.

Der Merchant-Center-Feed ist 2026 kein reines Ads-Thema mehr. Er speist unter anderem die kostenlosen Produkteinträge in der Google-Suche, in Bildern, im Shopping-Tab und in Gemini sowie die Produktempfehlungen im AI Mode. Dafür brauchst du keinen Euro Anzeigenbudget. Und wenn dein Feed und dein Product-Schema sich widersprechen, verschenkst du Vertrauen auf beiden Seiten.

Der Merchant-Center-Feed wird zum organischen Hebel

Genau hier liegt ein echter Hebel. Ich baue den Feed bei den Shop-Kunden von HECHT INS GEFECHT so weit wie möglich aus und gebe Google möglichst viele Informationen. Das ist Arbeit, die Wettbewerber nach meiner Erfahrung häufig sparen.

Bei einem Shop für Dach- und Wandplatten brachten die kostenlosen Produkteinträge in 28 Tagen 2.812 Klicks. Die organische Websuche kam im selben Zeitraum auf 5.230 Klicks. Beim Onlineshop für Baubedarf warf ein Feed-Filter auf „Bestand größer 1“ ein Viertel des verkaufbaren Sortiments samt Bestsellern aus dem Feed.

Der Vorsprung ist aus meiner Sicht relativ leicht zu holen. Welche Rolle strukturierte Daten dabei genau spielen, habe ich im Beitrag zu Schema und strukturierten Daten aufgeschlüsselt.

Im Januar 2026 hat Google das Universal Commerce Protocol (UCP) gestartet, einen offenen Standard für den Einkauf über KI-Agenten. Beim Checkout über Google läuft der Kauf auf Googles Flächen wie dem AI Mode und der Gemini-App, der Händler bleibt Verkäufer. Grundlage dafür ist der Merchant-Center-Feed.

Den Buy-Button zeigen nur Produkte mit dem Attribut native_commerce. Freigeschaltet ist der Checkout bisher nur für ausgewählte Händler. In Deutschland ist der Checkout über Google noch nicht verfügbar.

Shopify-Shops bekamen eine UCP-Schnittstelle ohne eigenes Zutun. Über die „Agentic Storefronts“ spielt Shopify die Produkte seiner Händler standardmäßig in ChatGPT aus, dazu in Microsoft Copilot, im AI Mode und in der Gemini-App. Kaufen können dort bisher nur Käufer in den USA. Meiner Einschätzung nach lesen die Agenten dort deine Produktdaten wörtlich, samt leeren Feldern und internen Kürzeln in Titeln.

Für deutsche Shops lässt sich das noch nicht umsetzen. Googles Hilfe nennt die USA, Kanada und Australien. Großbritannien soll später folgen. Für Deutschland und die EU nennt Google keinen Termin.

WooCommerce führt die UCP-Anbindung als „coming soon“. OpenAI geht in ChatGPT einen anderen Weg. Dort werden Käufe auf der Website oder in der App des Händlers abgeschlossen. Aber die Vorarbeit ist dieselbe, die ich oben beschrieben habe: ein vollständiger Feed mit GTINs, sauberen Produktdaten und konsistentem Schema.

Wer das jetzt erledigt, steht meiner Erwartung nach ganz vorne, wenn der Checkout über Google auch hier ankommt. Erst sanken die Klicks auf klassische Suchergebnisse. Jetzt kann in den USA sogar der Kauf in Google stattfinden, ohne dass jemand deinen Shop betritt.

Der SEO-Analyst Kevin Indig bringt es auf einen Punkt: „For marketplaces, SEO is product design.“ Im Memo von 2025, geschrieben mit Amanda Johnson, nennt er drei Eigenschaften für Marktplätze im KI-Zeitalter. Gemeint sind schnelle Ladezeiten unter 200 Millisekunden für Seiten und Schnittstellen sowie sauberes Schema für Produkte und Bewertungen. Dazu soll jede Listing-Seite als kleine Antwort auf eine Frage aufgebaut sein.

Indig vermerkt dazu, dass die Meinungen auseinandergehen, ob Schema die LLM-Sichtbarkeit beeinflusst. Die drei Eigenschaften gelten nach meiner Einschätzung auch für Onlineshops.

Wie unterschiedlich organische Suche und KI-Antworten funktionieren, zeigt sich an den AI Overviews. In den KI-Antworten zitiert zu werden und organisch in den Top 10 zu ranken folgen jeweils einer eigenen Logik. Rund 62 % der in den KI-Antworten zitierten URLs stammen laut derselben Ahrefs-Auswertung nicht aus den Top 10. Wer also nur aufs Ranking schaut, übersieht einen großen Teil der Sichtbarkeit.

Keywords waren die Brückentechnologie der letzten 20 Jahre

Keywords waren 20 Jahre lang ein Behelf: ein kurzer Begriff, auf den man eine Seite optimiert, weil Suchmaschinen die echte Suchabsicht nicht besser verstehen konnten. Den Glaubenssatz halte ich im Onlineshop-SEO für überholt. Ich denke lieber in Themen, weil die Zielgruppe auch in Themen denkt.

Klar sucht jemand einen Wasserfilter. Aber in der Regel sucht er einen Untertisch-Wasserfilter zum Filtern von Schwermetallen für seine konkrete Wohnsituation. Je näher du an das echte Kaufproblem herankommst, desto besser bedienst du den Kunden. Wer nur auf das kurze Keyword optimiert, lässt die eigentliche Kaufabsicht liegen.

Durch die LLMs verstärkt sich das gerade. Menschen geben mittlerweile längere, komplexere Suchanfragen und ganze Prompts ein. Die Brückentechnologie Keyword hat damit ihren Zweck erfüllt. Wie sich das auf die Recherche-Arbeit auswirkt, habe ich im Beitrag zu Topic-Research statt Keyword-Recherche beschrieben.

GEO für Shops: zuerst Marke, dann Content

Shop-Betreiber fragen mich gerade oft, ob sich die Optimierung für KI-Suchmaschinen überhaupt schon lohnt. Sie lohnt sich, aber nur in zwei Schritten: zuerst die Marke, dann der Content. Wer hier mit Content anfängt, bevor die Marke steht, verschwendet nach meiner Erfahrung Zeit.

Am Anfang steht sauberes Brand Building. Eine Exact-Match-Domain wie bester-wasserfilter-shop.de bringt dir dafür wenig. Dieses Modell hat nach meiner Einschätzung ausgedient.

Was zählt, sind echte Unterscheidungsmerkmale zu anderen Shops und Traffic aus verschiedenen Kanälen. Dazu kommen Bewertungen auf vielen unterschiedlichen Plattformen und viele Präsenzen im Internet, also Citations. Erst wenn deine Marke als Entität sauber im Netz steht, kann ein LLM (Large Language Model) sie aus meiner Sicht überhaupt zuverlässig nennen.

Was das bringen kann, hat HECHT INS GEFECHT am eigenen Fall gesehen. Beim Agenturtipp SEO-Contest 2025 haben wir ein erfundenes Keyword als Marke etabliert und sehr präzise definiert, was diese Marke ist.

Am Ende gewannen wir den Preis für die höchste KI-Sichtbarkeit beim Agenturtipp SEO-Contest 2025 (Messung: Rankscale) mit 23 Nennungen an den drei Bewertungsstichtagen (Platz 2: 21). Über die gesamte Laufzeit zählte Rankscale 199 Quellenangaben in Perplexity und Claude, der nächste Konkurrent kam auf 131. Meiner Einschätzung nach war der entscheidende Faktor die saubere, eindeutige Definition der Marke als Entität.

2026 haben wir die Strategie wiederholt und den SEO-Contest mit einer brandneuen Domain gewonnen, nach 21 Tagen gegen rund 200 Teilnehmer. Nach Platz 3 im Jahr 2025 war das der zweite Podestplatz in Folge. Bei der Ahrefs-Messung Mitte Juni 2026 lagen alle 15 geprüften Contest-Domains bei Domain Rating 0 und trugen das Contest-Keyword im Domainnamen. Domain Rating und Domainname erklären die Unterschiede also nicht, und welchen Anteil Links hatten, lässt sich nicht isolieren.

Der Schwerpunkt lag auf dem Entity-Aufbau aus Schema, Definition, Citations und Bewertungen. Den kompletten Ablauf zeigt der Beitrag zur Google Sandbox.

Erst danach kommt der Content, der im besten Fall von LLMs zitiert wird. Aber die Reihenfolge ist entscheidend: zuerst als Marke genannt werden, dann zitierfähig schreiben. Den Unterschied zwischen genannt und zitiert werden habe ich in Brand Mentions und Citations genauer auseinandergenommen. Warum die Streuung der Bewertungen über mehrere Quellen mehr zählt als ihre Masse auf einem Portal, steht im Beitrag zum Bewertungsmanagement.

Die richtige Reihenfolge für deinen Shop

Die richtige Reihenfolge für einen Onlineshop hat vier Schritte: erst die Struktur, dann die Kategorieseiten, dann die Produktdaten, zuletzt Marke und Content.

Zuerst planst du die Struktur. Zeichne die Pyramide einmal in Miro oder Figma: Startseite, Kategorien, Produkte. Leg fest, welche Seite für welches Keyword ranken soll, und löse die Kannibalisierung zwischen Produkten und Kategorien auf, bevor du Content schreibst.

An zweiter Stelle stehen die Kategorieseiten. Sie brauchen eine H1, einen Einführungstext vor den Produkten und ein FAQ aus echten Vertriebsfragen. Technisch brauchen sie einen warmen Cache, damit der Googlebot sie schnell lädt.

Danach kommen die Produktdaten. Bau den Merchant-Center-Feed maximal aus, sorg für vollständiges Product-Schema auf Varianten-Ebene und dafür, dass Feed und Seite dieselben Angaben enthalten. Auf diese Daten greift Google auch für Produktempfehlungen im AI Mode zurück.

Erst dann kommen die Marke und der Content. Dazu gehören Citations, Bewertungen auf mehreren Plattformen, Differenzierung und Traffic aus verschiedenen Kanälen. Ganz am Ende, wenn die Basis steht, kommt ein Blog, der über interne Links auf Kategorien und Produkte verweist.

Häufige Fragen zu Onlineshop-SEO

Sind Kategorieseiten oder Produktseiten wichtiger für das Shop-Ranking?

In der Hierarchie der internen Verlinkung folgen die Kategorieseiten direkt auf die Startseite. Welche Seite für eine Suchanfrage rankt, entscheidet die Suchabsicht. Hat ein Shop viele vergleichbare oder per Dropshipping bezogene Produkte, die sich sonst gegenseitig kannibalisieren, ist die Kategorie nach meiner Erfahrung das bessere Rankingziel. Produktseiten gehören trotzdem optimiert, wenn die Ressourcen da sind, am besten mit eigenen Texten.

Brauche ich für KI-Kaufempfehlungen in ChatGPT eigene Produktseiten oder reicht der Feed?

Beides wirkt, aber das Fundament sind die Produktdaten. ChatGPT bezieht sie laut OpenAI aus dem Shopify Catalog, dem Etsy-Katalog, aus Direktfeeds der Händler und von Drittanbietern. Händler rankt ChatGPT unter anderem nach Verfügbarkeit, Preis und Qualität. Der Merchant-Center-Feed ist die Grundlage für Googles kostenlose Produkteinträge, Gemini und den AI Mode, auch ohne Anzeigenbudget.

Wie lang sollte ein Kategorietext sein?

Es gibt keine feste Wortzahl. Der Text muss die relevanten Informationen zur Produktgruppe transportieren, mehr nicht. Eine H1, ein kurzer Einführungstext vor den Produkten und ein FAQ aus echten Vertriebsfragen sind das Ziel. Ein langer Text voller Keywords, den kaum ein Besucher liest, schadet nach meiner Erfahrung eher, als er nützt.

Lohnt sich ein Blog für meinen Onlineshop überhaupt?

Ja, aber nicht als erster Hebel und nicht als Selbstzweck. Ein Blogpost soll für ein Nischenthema ranken und seinen Traffic über interne Links auf Kategorien und Produkte weitergeben. Wer den Blog isoliert betreibt, ohne die Verlinkung nach oben, produziert Inhalte, die kaum einen Käufer bringen. Bei einem Onlineshop für Baubedarf brachten 1.998 organische Sitzungen auf Blog-Landingpages in 28 Tagen nur vier Käufe. Die Kategorie-Landingpages desselben Shops hatten im selben Zeitraum 613 Sitzungen und 18 Käufe.

Sind Backlinks für Onlineshop-SEO noch relevant?

Nach meiner Erfahrung deutlich weniger, als viele denken. Eingekaufte Links bringen in der Regel keine zusätzlichen Verkäufe. Wichtiger sind eine saubere Seitenstruktur, gepflegte Produktdaten und eine als Marke erkennbare Entität mit Citations und Bewertungen auf mehreren Plattformen. Im SEO-Contest 2026 lagen alle 15 geprüften Contest-Domains bei Domain Rating 0, auch die Domain von HECHT INS GEFECHT (Ahrefs-Messung, Mitte Juni 2026). Das Domain Rating erklärt die Unterschiede dort also nicht; welchen Anteil Links hatten, lässt sich nicht isolieren.

Quellen