Ich sage in Kundengesprächen regelmäßig einen Satz, der für Stirnrunzeln sorgt: „Wir bauen keine Backlinks auf.“ Nicht weil wir es nicht könnten. Sondern weil ich nicht glaube, dass aktives Linkbuilding für die meisten Webseiten der entscheidende Hebel ist.
Die These ist steil in einer Branche, in der „Backlinks kaufen“ jeden Monat 1.000 Mal gegoogelt wird. Und in der Agenturen ihre Daseinsberechtigung daraus ableiten, dir jeden Monat 50 neue Links zu liefern. Deswegen will ich hier erklären, warum wir das anders sehen, und was wir stattdessen machen.
Inhalt
Was Backlinks eigentlich sind (und was nicht)
Ein Backlink ist eine Verlinkung von einer anderen Website auf deine. Google hat Backlinks ursprünglich als Empfehlungen gewertet: je mehr Empfehlungen, desto besser. Das war die Grundidee hinter PageRank, dem Algorithmus hinter Googles Aufstieg.
Nur haben SEOs und Spammer das PageRank-System von Tag eins an ausgenutzt. Und Google hat seitdem massiv gegengesteuert.
Gary Illyes, Googles Search Analyst, sagte 2024 auf einer Konferenz: „We need very few links to rank pages. Over the years we’ve made links less important.“ Schon 2023 stellte er klar, dass Links nicht mehr zu den drei wichtigsten Ranking-Faktoren gehören. John Mueller, ebenfalls Google, formulierte es noch deutlicher: „Over-focusing on links will often result in you wasting your time.“
Im März 2024 hat Google sogar das Wort „important“ in Bezug auf Links als Ranking-Faktor aus der offiziellen Dokumentation entfernt. Das sind keine subtilen Signale.
Warum gekaufte Backlinks in der Regel nichts bringen
Gekaufte Backlinks sind eine vermeintlich einfache Lösung: Geld auf ein Problem werfen. Heraus kommen schlecht geschriebene Gastbeiträge auf digitalen Käseblättern, die heute dein Produkt bewerben und morgen das von irgendeinem überregionalen Gas-Wasser-Scheiße-Betrieb.
Da ist kein thematischer Fit. Da ist kein Traffic. Und ein Backlink ohne Traffic auf der verlinkenden Seite ist wertlos.
Dasselbe gilt für die gängigen Linkbuilding-Pakete: 20 Links für 500 Euro, 50 Links für 1.000 Euro. Was du dafür bekommst, sind Einträge auf Seiten, die kein Mensch liest. Google ist mittlerweile gut genug, um genau das zu erkennen.
Pro-Tipp: Die schiere Anzahl an Backlinks sagt gar nichts aus. Ein qualitativ hochwertiger Link von einer autoritativen Website (auf einer Unterseite mit echtem Traffic) kann 10.000 schlechte aufwiegen. Wer dir „mehr Backlinks“ als Lösung verkauft, hat das Problem nicht verstanden.
Domain Rating und Domain Authority: Vanity Metrics
Domain Rating und Domain Authority sind die Vanity Metrics der Backlink-Industrie. Viele gucken auf die Werte von Ahrefs und Moz und leiten daraus ab, dass sie „mehr Backlinks brauchen“. Beide messen aber nicht das, was Google tatsächlich bewertet. Sie messen, wie gut dein Backlink-Profil im Vergleich zu anderen aussieht. Die Kriterien stammen vom Drittanbieter, nicht von Googles Algorithmus.
Ehrlicherweise: Ich gucke immer seltener auf Domain Rating und Domain Authority, weil mir die Werte in der Praxis nichts sagen.
Ein Beispiel: AlexAsia hatte ein schwaches Backlink-Profil. Nach einem Website-Umbau und einer thematischen Neuordnung der Inhalte (ohne Linkbuilding) stieg der Traffic von 300 auf bis zu 3.000 Klicks pro Tag. Der organische Trafficwert bei SEMrush lag zeitweise bei 140.000. Content und Struktur haben das erreicht, nicht Backlinks.
Der SEO-Contest 2026 lieferte dazu den Feldversuch: Alle 15 frischen Contest-Domains, die ich Mitte Juni durch Ahrefs gejagt habe, standen auf Domain Rating 0, rund 90 % ihrer verweisenden Domains waren derselbe generische PBN-Spam. Die Ranking-Unterschiede kamen aus Entity- und On-Page-Signalen, und zwei echte Quellen (Crunchbase mit DR 91, ein Karteneintrag mit DR 74) führten den Linkvergleich des gesamten Felds an. Wie die Domain damit von Rating 0 auf Platz 1 kam, zeigt der Beitrag zur Google Sandbox.
Was stattdessen funktioniert: Brand Mentions und Citations
Eine Backlink-Strategie bezeichnet den Plan, wie und ob eine Website gezielt externe Verlinkungen aufbaut, und ob das überhaupt sinnvoll ist.
Den Hebel bilden stattdessen 3 Bausteine: Citations, Brand Mentions und Content-Struktur. Im Detail:
Abb. 1: Gekaufte Backlinks im Vergleich zu Citations, Brand Mentions und Content.
1. Citations als Fundament
Eine neue Domain braucht Sichtbarkeit. Nicht durch gekaufte Links, sondern durch Citations: Einträge in Branchenbücher und Verzeichnisse. Lokale Branchenbücher für lokale Unternehmen. Thematisch passende Portale für die Branche. Generische, bundesweite Verzeichnisse für die Grundabdeckung.
Citations sind ein solides Fundament. Und genau dieselben Taktiken funktionieren auch für die Sichtbarkeit in LLMs.
2. Brand Mentions statt Backlinks
Google erkennt und bewertet unverlinkte Erwähnungen deiner Marke. Gary Illyes bestätigte das bereits 2017: „I’m not talking about just links, but also mentions on social networks and people talking about your branding.“
Für Brand SEO bedeutet das: Wenn deine Marke in einem Fachartikel ohne Link erwähnt wird, hat das trotzdem einen Wert. Für Google und erst recht für Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT und Perplexity, die nicht auf PageRank als direktes Signal angewiesen sind.
Letztlich geht es darum, dass deine Marke im Internet präsent ist. In Presseartikeln, auf Reddit, in Fachforen, in Podcasts. Das erreichst du nicht mit gekauften Links, sondern mit Digital PR (Public Relations). Beispiele sind Plattformen wie Quoted, Featured oder HARO (Help a Reporter Out), auf denen Reporter nach Expertenstimmen suchen.
3. Content und Struktur
Der AlexAsia-Case zeigt es deutlich: Eine saubere Website-Architektur, thematisch klar strukturierte Inhalte und semantisches SEO bringen mehr als jede Backlink-Kampagne. Wenn Google über deine Webseite etwas lernen kann, das im Internet noch nicht steht, dann rankst du. Backlinks hin oder her.
Was die Linkbuilding-Industrie nicht erzählt
„Backlinks kaufen“ hat 1.000 Suchanfragen im Monat in Deutschland. Das ist aktive Nachfrage. Und eine ganze Industrie lebt davon, den Backlink-Mythos am Leben zu halten.
Der Großteil der Backlink-Builder bewegt gar nichts. Die Links landen auf Seiten ohne Traffic, ohne thematischen Bezug, ohne Autorität. Generell gilt: Wenn ein Link leicht zu bekommen ist, ist er in der Regel auch nichts wert.
Vielleicht kennst du das: Deine bisherige Agentur liefert dir jeden Monat einen Report mit 20 neuen Backlinks. Aber dein Ranking bewegt sich nicht. Ein E-Commerce-Kunde von uns gibt monatlich mehrere tausend Euro für Backlinks aus, ohne klare Evidenz, dass die Investition etwas bringt. Viele Unternehmen zahlen jahrelang für Linkbuilding, weil ihnen niemand sagt, dass es Alternativen gibt.
Backlinks und LLM-Sichtbarkeit: Die neue Realität
Backlinks spielen nicht nur für Google eine Rolle, sondern auch für ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews (AI = Artificial Intelligence). Für KI-Systeme gilt eine 2-stufige Logik: Erst entscheidet ein Mindestmaß an Vernetzung, dann die Relevanz deiner Marke.
Ein gewisser PageRank ist nötig, um überhaupt in LLMs aufzutauchen. Das hängt sehr wahrscheinlich mit dem Harmonic-Centrality-Wert zusammen. Die Metrik aus der Graphentheorie misst, wie gut vernetzt deine Seite im Gesamtnetzwerk des Webs ist. Ohne jegliche Verlinkung bist du für LLMs unsichtbar.
Aber ab der Schwelle zählen andere Faktoren, und das ist der entscheidende Punkt. Die OtterlyAI-Studie (2026) analysierte über eine Million AI-Citations. Nur 38 % der KI-Zitierungen stammen von Seiten, die auch in den Top-10 der organischen Suche stehen. LLM-Sichtbarkeit und SEO-Performance sind nicht dasselbe.
LLMs zitieren stattdessen vor allem Reddit, Wikipedia und Forbes: Community-Plattformen erfassen 52,5 % aller Citations. Da entscheidet nicht dein Backlink-Profil, sondern ob Nutzer, Journalisten und Communities deine Marke in relevanten Kontexten erwähnen.
Abb. 2: LLM-Sichtbarkeit hat wenig mit Google-Rankings zu tun. Community-Plattformen dominieren die KI-Zitierungen.
Pro-Tipp: Beim Keywordkönig-Wettbewerb habe ich 199 LLM-Erwähnungen erzielt und den KI-Wettbewerb gewonnen. Nicht durch klassisches Linkbuilding, sondern durch Citations, strukturierte Daten und eine klare Entity-Strategie. Local-SEO-Taktiken funktionieren auch für LLMs.
2026 folgte der nächste Beleg: Beim SEO-Contest 2026 gewann meine brandneue Domain serponado.org Platz 1 bei Google, gestartet bei Domain Rating 0 und komplett ohne Linkbuilding. Der Hebel war derselbe Baukasten aus Schema, Definition, Citations und Bewertungen, aufgebaut in Tagen statt Monaten, das zweite Treppchen in Folge für die Entity-Strategie.
Wann Backlinks doch sinnvoll sind
Ich sage nicht „gar keine Backlinks“. Das wäre genauso dogmatisch wie das Gegenteil. Es gibt 3 Situationen, in denen Backlinks sinnvoll sind:
- Neue Domains brauchen ein Fundament an Citations, damit Google überhaupt von der Seite Notiz nimmt.
- Digital PR über Quoted, HARO oder Featured ist eine Form von Linkbuilding, aber eine qualitative. Hier bekommst du Erwähnungen und Links in echten Presseartikeln mit echtem Traffic.
- Broken Backlinks reparieren ist Pflicht. Wenn externe Seiten auf 404-Seiten verlinken, geht Link Juice verloren.
Abb. 3: Die drei Ausnahmen, in denen Backlinks sinnvoll sind.
Der Unterschied: Das ist kein laufendes Linkbuilding-Programm. Das ist eine einmalige Grundlage plus gezielte Digital PR. Mit Augenmaß, nicht mit Gießkanne.
Wer sein bestehendes Backlinkprofil analysiert, sollte auf 3 Dinge achten: erstens Anchor-Text-Diversität, denn zu viele identische Ankertexte sind ein Manipulationssignal. Zweitens das Verhältnis von dofollow- zu nofollow-Links. Drittens toxische Links, die per Disavow-Datei bei Google eingereicht werden können. Das ist keine aktive Strategie, sondern Pflege.
Checkliste: Backlink-Strategie mit Augenmaß
Bevor du Geld für Linkbuilding ausgibst, prüfe die folgenden Punkte:
Abb. 4: 6 Punkte, die du prüfen solltest, bevor du Geld für Linkbuilding ausgibst.
- Ein solides Fundament an Citations steht (Branchenbücher, Verzeichnisse).
- Die Inhalte ranken thematisch klar und strukturiert.
- Deine Über-uns-Seite ist als Entity-Hub aufgebaut.
- Strukturierte Daten sind sauber implementiert.
- Technisch ist die Website sauber: schnelle Ladezeiten, sauberes HTML (Hypertext Markup Language), gute Crawlbarkeit.
- In relevanten Kontexten wirst du erwähnt (Fachforen, Reddit, Presseberichte).
Wenn alle Punkte erfüllt sind und du trotzdem nicht rankst, ist Linkbuilding vielleicht ein Hebel. In meiner Erfahrung ist das aber selten der Fall.
Kann man ohne Backlinks ranken?
Ja, wenn die Inhalte stimmen und die Website technisch sauber ist. Ein Grundfundament an Citations aus Branchenbüchern und Verzeichnissen hilft beim Start, laufendes Linkbuilding ist in den meisten Fällen aber unnötig. Wichtig ist die Unterscheidung: Ein Minimum an Vernetzung braucht jede Domain, ein monatliches Link-Paket braucht praktisch keine.
Sind Backlinks noch ein Ranking-Faktor?
Google nutzt Links weiterhin als Signal, hat aber deren Gewichtung über die Jahre deutlich reduziert. Gary Illyes (Google) sagte 2024: „We need very few links to rank pages.“ Links sind nicht mehr unter den Top-3-Ranking-Faktoren. Im März 2024 strich Google die Einstufung als wichtigen Faktor aus der offiziellen Link-Dokumentation.
Was bringt mehr: Backlinks oder Content?
Content. Ein qualitativ hochwertiger, thematisch strukturierter Text auf einer technisch sauberen Website bringt langfristig mehr als jede Backlink-Kampagne. Der AlexAsia-Case zeigt: von 300 auf 3.000 Klicks pro Tag ohne Linkbuilding, allein durch Website-Umbau und thematische Neuordnung der Inhalte. Der organische Trafficwert lag zeitweise bei 140.000.
Brauche ich eine Linkbuilding-Agentur?
In den meisten Fällen nicht. Investiere stattdessen in Content-Qualität, semantisches SEO und Digital PR. Wenn du dennoch Links aufbauen willst, dann gezielt und qualitativ statt mit monatlichen Link-Paketen. Ein guter Test: Wenn eine Agentur dir eine feste Linkzahl pro Monat verspricht, verkauft sie Quantität, und genau die bewertet Google ab.
Sind Brand Mentions genauso gut wie Backlinks?
Für LLMs wie ChatGPT und Perplexity sind Brand Mentions sogar wichtiger als Backlinks, weil diese Systeme ohne PageRank arbeiten. Auch Google erkennt und bewertet unverlinkte Markenerwähnungen.
Wenn du wissen willst, wie eine Backlink-Strategie für deine Domain konkret aussieht (ohne Linkbuilding-Pakete und ohne Geldverschwendung), schau dir unseren SEO-Audit an.
Quellen
- Gary Illyes (Google): „Links are not a top 3 ranking factor“, Search Engine Land, 2023
- Google on Links & Core Updates: „We need very few links“, Search Engine Roundtable, 2024
- Google: Overfocusing on Links Could Be a Waste of Time, Search Engine Journal, 2024
- The AI Citation Economy: 1+ Million Data Points, OtterlyAI, 2026
- The Brand-to-Links Ratio Revolution, Search Engine Land, 2025
- Backlinks Google Study: Our Data Tells a Different Story, Feedthebot, 2025
- How Important Are Backlinks for SEO in 2026?, Search Engine Land, 2026


